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 Zirkusleute "beim Wattlaufen":
Also traten die Zuschauer selbst auf

 

 

Otterndorf. So, da haben wir den Schlamassel. Was machen wir bloß? Muß die Vorstellung etwa ausfallen? Die über hundert Kinder in der Niedersachsenhalle im Hinrich-Wilhelm-Kopf-Lager ziehen ein langes Gesicht. Gerade haben ihnen die beiden Zirkusleute Heinrich Bambuli und Pumpernudel eröffnet, daß der gesamte übrige Zirkus Bambuli nicht kommen kann.

"Die sind alle beim Wattlaufen. - Was ist eigentlich Watt, ich kenne nur das aus der Glühbirne." Wie gut, daß die Kinder so gut informiert sind und die beiden Zirkusleute aufklären können: "Das ist der Matsch, wenn das Meer weg ist." Aber damit ist das Problem der fehlenden Zirkusleute noch keineswegs gelöst.

 

 

Pumpernudel hat eine Idee, wie die restlichen beiden Vorstellungsstunden zu überbrücken wären: "Ich kann Boden- und Luftakrobatik." Die Zuschauer halten den Atem an, als Pumpernudel Anlauf nimmt und - einen Purzelbaum schlägt. Die Kinder sind sich einig, das können sie auch. Einige stellen das eilfertig unter Beweis. Da haben die Zirkusleute eine "Idee": Unsere Zuschauer machen ihren Zirkus selber."

Können sie das denn auch? Aber sicher können sie. Den Beweis für ihre schnelle Auffassungsgabe treten die Kinder an, als Pumpernudel ihnen in wenigen Minuten ein schweres Lied beibringt. Heinrich Bambuli staunt.

Die kleinen Zuschauer sind inzwischen Feuer und Flamme dafür selber aufzutreten. Jeder sucht sich seine Lieblingsrolle aus. Ob Löwe, Fakir oder Seiltänzerin - alles ist möglich. Über eine Stunde wird jetzt eifrig geprobt und geübt. Heinrich Bambuli und Pumpernudel, die in "Zivil" Bernd Heupel und Christa Hennig heißen und in Fredenbeck wohnen, geben den kleinen Nachwuchsartisten Hilfestellung.

Als die Nummern "stehen", müssen die "Zirkusleute" noch verkleidet und geschminkt werden. In einer Ecke der Niedersachsenhalle stehen diverse Schminktöpfe und Spiegel. Die Kinder verpassen sich gegenseitig die schönsten Clowns- und Löwengesichter. Auch für die entsprechende Verkleidung ist gesorgt. Ein Tüllband im Haar und eines um die Hüfte und schon ist das Hula-Hula-Mädchen fertig.

Langsam macht sich bei den Kindern Lampenfieber breit. Der Zeitpunkt der Vorstellung rückt immer näher. Noch einmal wird alles durchgeprobt und schon sagt Heinrich Bambuli die erste Nummer an: Das Zirkusorchester marschiert mit Pauken und Trompeten ein. Eine Ehrenrunde um die Manege, ein Tusch.

Nun jagt eine atemberaubende Präsentation die andere. Grollend und fauchend schreiten mehrere majestätische Löwen in die Manege. Die Menge hält den Atem an, als sie auf Zuruf des todesmutigen Dompteurs durch die Reifen springen. Da ist die Gruppe der Affenbabys noch niedlicher (die Darsteller waren allesamt noch im Vorschulalter). Höhepunkt der Vorstellung war die "Affenrolle". Tosender Applaus folgte.

Der stärkste Mann von Otterndorf geht mit wiegenden Schritten in das Zirkusrondell. Mit abschätzendem Blick mustert er die furchterregend schwere Langhantel. Ohne mit der Wimper zu zucken, stemmt er die 350 Kilogramm in die Höhe. Die beiden Clowns, die es ihm nachmachen wollen, schaffen das nicht. Einer hat noch besonderes Pech: Sein Hals ist unter der Stange festgeklemmt, er kann weder vor noch zurück.

Nun wird es exotisch. Die chinesischen Bänderschwinger haben ihren Auftritt. Große Spannung kommt bei der Darbietung der drei "Super-Flämmchen" auf. Unerschrocken speien die Feuerschlucker eine Stichflamme nach der anderen. Brandgeruch macht sich breit, aber die furchtlosen "Super-Flämmchen" machen unbeirrt weiter. Allerdings müssen sie sich hinterher dringend den Mund ausspülen. Auch der Fakir scheint keine Schmerzgrenze zu haben. Wie in einem Fernsehsessel macht er es sich auf dem Nagelbrett bequem. Daß das Brett echt ist, haben die Zuschauer übrigens vorher getestet.

Ebenfalls ohne Netz und doppelten Boden agiert die Seiltänzerin. "In der atemberaubenden Höhe von drei Metern" (das Tau lag auf dem Boden) schreitet "Tiffy" zierlich über das Seil. Elegant das Schirmchen schwenkend, trippelt sie sogar rückwärts.

Nicht weniger gefährlich leben die Schlangenbeschwörer, die mit Flötentönen eine "Kessel-Python" betören. Das gefährliche Reptil hebt sich langsam aus einem Teekessel und kehrt auch brav wieder dahin zurück. Ob das mit rechten Dingen zugeht? Genauso wundersam ist die Vorstellung des Zauberkünstlers, der mit seiner Zauberflasche unglaubliche Dinge vollbringen kann.

Absolut echt dagegen ist der Auftritt der drei Cowboys, die mit einer Peitsche ein Stück Zeitung in ihre Einzelteile zerlegen. Die Jongleure "Maestro und Co" können mit den Bällen umgehen, als ob sie ihr ganzes Leben nichts anderes getan haben. Die "Damen mit den langen Beinen" auf ihren Stelzen bieten eine "nie dagewesene" Vorstellung, während die Hula-Hula-Mädchen mit ihren Reifen die Zuschauer in ihren Bann ziehen.

Die schwedisch-italienische Akrobatengruppe wagt sich an das haarsträubende Kunststück der "schwebenden Pyramide", die in Otterndorf wohl einmalig sein dürfte.

"Streckt schon mal die Hände nach vorne, damit ihr gleich klatschen könnt", ruft "Moderator" Heinrich Bambuli. Er ist von seinen jugendlichen Akteuren restlos begeistert, die Zuschauer auch.

 

 

 

Bernd Heupel & Christa Hennig - Zirkus Bambuli - In den Auen 22 - 21680 Stade
Tel + Fax: 04141 - 6 33 19